Oberösterreichische Landesbibliothek

Die Oberösterreichische Landesbibliothek ist die zentrale Archivbibliothek Oberösterreichs in der Landeshauptstadt Linz. Sie bewahrt mittelalterliche Handschriften, Wiegen- und andere Drucke aus den aufgehobenen oberösterreichischen Klosterbibliotheken sowie aktuelle Sach- und Fachliteratur, Belletristik und elektronische Medien.

Die Bibliothek wurde 1999 durch das Land Oberösterreich vom Bund übernommen. Zusammen mit Bibliotheken der Landesmuseen, des Landesarchivs und des Stifterhauses bildet sie einen regionalen Bibliothekenverbund von Kultureinrichtungen, der auch Partner im ‚Österreichischen Bibliothekenverbund‘ ist.

Die Landesbibliothek sammelt, erschließt und archiviert im Rahmen des gesetzlichen Auftrages alle in und über Oberösterreich erscheinenden Publikationen. Sie erwirbt eine sinnvolle Auswahl aus dem Gesamtangebot an gedruckten und elektronischen Medien und hält diese zur Benutzung und Entlehnung bereit und versteht sich insgesamt als Komplementär zu den anderen bibliothekarischen Angeboten von Universitäten und Hochschulen in der Region. Sie bewahrt, pflegt und erschließt die historisch gewachsene Büchersammlung der Vorläufereinrichtungen ‚bibliotheca publica‘ und ‚Bundesstaatliche Studienbibliothek‘ und sichert das kulturelle Erbe nach sicherheitstechnischen und konservatorischen Gesichtspunkten.

1774/78 Jesuitenkolleg (k. k. Lyzealbibliothek bzw. bibliotheca publica)
Die Oberösterreichische Landesbibliothek entstand im Zuge der Aufhebung des Jesuitenordens durch Papst Clemens XIV. am 21. Juli 1773 und den durch das Klosteraufhebungspatent vom 12. Jänner 1782 eingeleiteten Klosteraufhebungen unter Kaiser Joseph II. Betroffen davon waren in Oberösterreich zwischen 1782 und 1792 mehr als 20 Klöster. Da es in Linz keine Universität gab, der man die Bücherschätze der Klöster anvertrauen hätte können, wurde per kaiserlichem Erlass vom 2. Juli 1774 und vom 15. Oktober 1774 die ‚k.k. Lyzealbibliothek‘ bzw. ‚bibliotheca publica‘ gegründet. Die Bibliothek blieb zunächst im Bibliothekssaal des ehemaligen Jesuitenkollegs in der Linzer Domgasse, musste aber, nachdem das Gebäude 1776 vom Militär beansprucht wurde, in das kaiserliche Schloss übersiedeln.

1778/83 Schloss
Nachdem sich herausstellte, dass die Unterbringung im kaiserlichen Schloss unzulänglich war und die vorgesehenen finanziellen Mittel nicht ausreichten, wurde der Betrieb der Bibliothek durch ein Hofkanzleidekret vom 7. April 1783 dem Stift Kremsmünster übertragen, mit dem Auftrag, in einem seiner Häuser zu Linz eine öffentliche Bibliothek zu errichten und die dazu erforderlichen Verrichtungen entweder durch seine eigenen Geistlichen zu bestreiten oder aber auf eigene Kosten die dazu notwendigen Leute anzustellen. Die jährlichen Dotationen wurden aus dem Kameral-Studienfonds zugewiesen.

1784 Baumgartenberger Stiftshaus (Akademische Bibliothek)
Die Bibliothek wurde in das stiftseigene Freihaus in der Herrenstraße 19 gebracht, 1784 bestimmte der Kaiser dieses Gebäude zur Residenz des von ihm ernannten Bischofs und die Bibliothek musste erneut umziehen. Dem Stift wurde nun dafür das Haus des aufgehobenen Klosters Baumgartenberg an der Landstraße Nr. 30 – heutiger ‚Klosterhof‘ – überlassen. Die Übersiedlung erfolgte im Frühjahr 1784. Dieses Haus wurde für 150 Jahre Sitz der ‚Akademischen Bibliothek‘.

1908 – 1924 Konrad Schiffmann
Es gab während dieser Zeit erfolglose Versuche des Stiftes Kremsmünster, sich der Aufgabe zu entledigen. Eine allmähliche Änderung dieser Situation trat ein, als der Mittelschulprofessor Konrad Schiffmann vom 1. Juli 1908 an mit der provisorischen Leitung der Bibliothek betraut wurde. Schiffmann wurde dazu vom Schuldienst freigestellt und damit war erstmals ein staatlich besoldeter Bibliothekar für die Belange der Bibliothek verantwortlich. Schiffmann begann die Bibliothek auf eine solide rechtliche Grundlage zu stellen und den Bau eines eigenen Bibliotheksgebäudes durchzusetzen. Diese Pläne, die 1914 vor der Realisierung standen, fielen dem Ersten Weltkrieg zum Opfer. Schließlich schaffte es Schiffmann, dass das Finanzministerium 1922 der Übernahme des Bibliothekspersonals in die Staatsverwaltung zustimmte. 1924 wurde aufgrund einer von Schiffmann selbst geforderten baupolizeilichen Untersuchung des Hauses Landstraße 30 die sofortige Entfernung der Bibliothek angeordnet. Die Bücher wurden in Kisten verpackt und in den städtischen Wirtschaftshof umgesiedelt.

1934 Schillerplatz (Bundesstaatliche Studienbibliothek)
Im Dezember 1930 wurde mit der Errichtung des damals modernsten Bibliotheksgebäudes Österreichs nach den Plänen von Ministerialrat Julius Smolik im Stil der ‚Neuen Sachlichkeit‘ am Standort Schillerplatz begonnen. Die Arbeiten dauerten bis Dezember 1931, im November 1932 war die Übersiedlung abgeschlossen und am 9. November 1934 wurde die neue Studienbibliothek, ungeachtet der noch nicht entsprechenden Einrichtung des Lesesaales, auf Anordnung des Landeshauptmannes Heinrich Gleißner eröffnet. Schiffmanns Nachfolger, Josef Hofinger, fiel dann ab 1935 die Aufgabe zu, die von den Wiener Zentralstellen verlangte Neuordnung der Bibliothek umzusetzen, die die Aufstellung der damals ca. 80.000 Bände in den Magazinen nach numerus currens vorsah. Dazu musste ein neuer Nominal- und Schlagwortkatalog aufgebaut werden.

1938 – 1950
1938 wurde der Nationalsozialist Walter Luegmayer mit der Leitung der Bibliothek betraut. Neben dem Zugang durch ein erhöhtes Ankaufsbudget kamen zahlreiche Sammlungen auch durch Zwangsauflösung in den Bestand der Bibliothek. Nachdem die Direktion Luegmayers mit dem Einmarsch der amerikanischen Truppen in Linz am 5. Mai 1945 zu Ende gegangen war, wurde Eduard Straßmayr von Oberösterreichischen Landesarchiv durch eine Verfügung des Landeshauptmannes vom 24. Mai 1945 zum kommissarischen Leiter der Studienbibliothek bestellt, der auch die Restitution von Raubgut verantwortete. Der Jahresbericht vermerkt dazu: „Die Rückgabe zahlreicher fremder Buchbestände, wie sie vor 1945 durch Beschlagnahme usw. in die Studienbibliothek gelangt waren, fand nach und nach statt.“ Der Zweite Weltkrieg führte insgesamt für die Bibliothek zu keinen nennenswerten Verlusten in den historischen Sammlungen. 1950 wurde vom Land Oberösterreich der ‚Zentralkatalog der wissenschaftlichen Bibliotheken Oberösterreichs‘ gegründet, der im Gebäude der Bibliothek untergebracht wurde und der sich den zentralen Nachweis landeskundlicher und wissenschaftlicher Bestände der Linzer Bibliotheken zur Aufgabe machte.

1999 Übernahme (Oberösterreichische Landesbibliothek)

1999 wurde Christian Enichlmayr mit der Leitung der Bibliothek betraut. Nach Diskussionen und Verhandlungen wurde die Bibliothek 1999 vom Land Oberösterreich übernommen und von ‚Bundesstaatliche Studienbibliothek Linz‘ in ‚Oberösterreichische Landesbibliothek‘ umbenannt. Im Jahr 2000 erfolgte der Beitritt zum Österreichischen Bibliothekenverbund und damit der Umstieg auf elektronische Bestandserfassung (gemeinsam mit den Bibliotheken des OÖ. Landesmuseums, des OÖ. Landesarchivs und des Adalbert-Stifter-Institutes des Landes Oberösterreich).

2005 Regierungsbeschluss zur Sanierung und Erweiterung
Die Landesregierung beschloss am 5. September 2005 die Sanierung und Erweiterung der Landesbibliothek und bewilligte die Kosten für die erste Bauetappe. In der Folge wurde ein offener Architektenwettbewerb ausgelobt, aus dem das Architekturbüro Bez + Kock (Stuttgart) als Sieger hervorging. Im Oktober 2007 erfolgte die Grundsteinlegung für den Zubau, der im August 2009 eröffnet werden konnte.

„Wiedereröffnung der Oö. Landesbibliothek“ am 27. August 2009

Die OÖ. Landesbibliothek sammelt als wissenschaftliche Universalbibliothek Literatur aus allen Wissensgebieten. Der Bestand an Büchern, Zeitungen, Zeitschriften, DVDs, CDs, beträgt ca. 500.000 Werke. Der jährliche Zuwachs beträgt etwa 10.000 Bände (Einheiten). Die historischen Bestände der Landesbibliothek stammen aus dem Besitz folgender im 18. Jahrhundert aufgelöster Klöster:

530 Bände und 580 kleinere (u.a. zahlreiche Fragmente). Darunter viele illuminierte Handschriften und auch das vermutlich älteste Schriftdokument des Landes Oberösterreich aus dem 9. Jahrhundert (Hs.-834). Die Sammlung umfasst außerdem zahlreiche Handschriften der Neuzeit von Urkunden bis hin zu Kochbüchern und Autographen.

Ca. 650 Bände (845 Drucke). Größte Sammlung in Oberösterreich, sechstgrößte in Österreich. Ältester Druck in der OÖ. Landesbibliothek ist ein Fragment eines Bibeldrucks von Johann Fust und Peter Schöffer aus Mainz, 1462. Der älteste vollständige Druck ist von Johann Mentelin in Straßburg, 1466. Auch unter den Inkunabeln finden sich zahlreiche von Hand illuminierte Drucke (u.a. von Ulrich Schreier).

Ein besonderer Schwerpunkt der Sammlungen liegt naturgemäß auf den ‚Obderennsia‘, den landeskundlichen Beständen (Literatur aus und über Oberösterreich). Darunter fallen auch landeskundlich relevante Handschriften und Autographen (u.a. von Johannes Kepler, Adalbert Stifter und Anton Bruckner). Eine besondere Stellung nehmen auch die Periodica ein. Das älteste oberösterreichische Zeitungsfragment in der Landesbibliothek stammt vom 11. Mai 1677.

Seit der Eröffnung des Gebäudes im Jahr 1934 hat das markante und denkmalgeschützte Haus am Linzer Schillerplatz, erbaut nach Plänen von Julius Smolik, Robert Buchner und Matthäus Schlager im Stil der ‚Neuen Sachlichkeit‘, keine gravierenden Veränderungen erfahren. Ende 2005 hat die Landesregierung einen Sanierungs- und Erweiterungsbeschluss gefasst. Die Umwandlung von einer reinen Speicherbibliothek in eine primär offene ‚Freihandbibliothek‘, die zum Lesen und Schmökern anregt, war eines der obersten Planungsziele. Durch die behutsame Sanierung und Erweiterung wurde eine moderne, zukunftsorientierte Bibliothek geschaffen. Die Realisierung des gesamten Bauvorhabens nach den Plänen der Architekten Bez + Kock (Stuttgart) wurde auf zwei Etappen verteilt, deren erste 2009 abgeschlossen wurde.

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